Dienstag, 14. September 2021

Nicolas Cage: Der letzte Tempelritter (2010)

Bei der Eroberung von Smyrna 1344 richten die Kreuzritter ein Blutbad unter der Bevölkerung an. Im Schlachtgetümmel tötet Behmen (Nicolas Cage) mit einem Schwerthieb ein junges Mädchen. Geschockt von seiner Tat steht Behmans Entschluss fest, das Heer der Kreuzritter zu verlassen. 

Zusammen mit seinem Kampfgefährten Felson (Ron Perlman) setzt er sich von der Truppe ab und beide Ritter machen sich auf den Weg zurück nach Europa.

Doch als sie ihre Heimat erreichen ist nichts mehr so, wie es einst war. Auf einem einsamen Gehöft finden sie alle Bewohner nur noch tot vor, grauenhaft entstellt von der Pest. 

Schließlich gelangen sie in die Stadt Marburg, die ebenfalls von der schrecklichen Krankheit beherrscht wird. Als einfache Reisende getarnt erfahren sie von Eckhart (Ulrich Thomsen), einem Ritter im Dienste des Kardinals von Marburg, das ganze Ausmaß der Katastrophe: Die Pest rafft die Menschen zu Tausenden  dahin.

Durch die Ungeschicklichkeit eines Stallburschen, der Behmens Schwert mit dem Kreuzritter-Emblem fallen lässt, werden sie als Kreuzritter erkannt und als Deserteure von den Wachen des Kardinals D’Ambroise (Christopher Lee) festgenommen. 

Der Mönch Debelzaq (Stephen Campbell Moore) führt sie zum Kardinal. Dieser ist ebenfalls schwer von der Pest gezeichnet. Doch trotz seiner Krankheit lässt er die beiden seine ungebrochene Macht spüren und wirft Behmen und Felson als Gotteslästerer in den Kerker.

Dort entdecken die beiden Ritter in der Nachbarzelle ein Mädchen (Claire Foy), das beschuldigt wird, eine Hexe und für den Ausbruch der Pest verantwortlich zu sein. 

Wie Debelzaq ihnen verrät, soll das Mädchen in die sechs Tagesreisen entfernte Abtei von Severac gebracht werden, wo ein Hexenprozess auf sie wartet. Um dafür zu sorgen, dass sie fair behandelt wird, lassen sich Behmen und Felson auf einen Deal mit dem Kardinal ein. Sie kommen frei, müssen sich aber dafür verpflichten, zusammen mit Debelzaq und Eckhart das Mädchen zur Abtei zu eskortieren.

Schnell stellt sich bei der Planung der Reise heraus, dass Debelzaqs Karten nicht zu gebrauchen sind und sie einen ortskundigen Führer benötigen. Diesen finden sie in der Gestalt des Händlers Hagamar (Stephen Graham), der wegen kleiner Gaunereien am Pranger hängt.

So macht sich die kleine Truppe mit einem vergitterten Pferdewagen, in der sich die Hexe befindet, auf den Weg zur entfernten Abtei. 

Doch schon kurz hinter den Toren der Stadt merken sie jedoch, dass sie von dem jungen Kay (Robert Sheehan) verfolgt werden, der unbedingt Ritter werden will. Durch sein vorlautes Mundwerkt provoziert er einen Zweikampf mit Felson, der nicht gewillt ist, sich von dem jungen Kerl beleidigen zu lassen. 

Doch entgegen aller Erwartungen schlägt sich Kay gegen den erfahrenen Kreuzritter erstaunlich wacker und darf sich der Gruppe anschließen.

Abends am Lagerfeuer unterhält sich Eckhart mit Debelzaq, der die Nachtwache hat, und erfährt, dass das Mädchen in jedem Fall verurteilt wird, da sich die Kirche einen Freispruch gar nicht leisten kann. 

Doch Eckhart hält sie für unschuldig und würde sie am liebsten auf der Stelle freilassen. Dazu bekommt er jedoch keine Chance mehr. Denn blitzschnell entwendet das Mädchen Debelzaq den Schlüssel und flieht.

Von den beiden alarmiert machen sich die Gefährten auf die Suche und gelangen in ein verlassenes Gebirgsdorf. Plötzlich glaubt Eckhart in einem der Schemen seine Tochter zu erkennen und läuft ihr hinterher. Doch statt seiner Tochter erreicht er Kay, der sich erschrocken umdreht und nicht mehr reagieren kann, so dass Eckhart ihm genau ins Schwert läuft und in seinen Armen stirbt.

Den anderen gelingt es unterdessen, das Mädchen wieder einzufangen. Unter Schock setzen die Gefährten am nächsten Morgen ihre Reise fort, wo jedoch bereits die nächste Bewährungsprobe auf sie wartet. Sie erreichen eine brüchige Hängebrücke, die der einzige Weg über eine tiefe Schlucht ist.

Da sie keine Wahl haben, spannen sie die Pferde aus und versuchen, den Wagen ohne die Pferde auf die andere Seite zu schaffen. Doch das Gewicht des Wagens ist einfach zu groß, und als Behmen und Kay das Halteseil entgleitet, können sich die beiden Männer nur mit einem hastigen Sprung zur Seite retten. 

Kay verliert dabei aber den Halt und droht in den Abgrund abzurutschen, als die Hand des Mädchens seinen Arm erwischt und Kay mit geradezu übermenschlicher Kraft festhält und rettet.

Als die anderen ebenfalls die andere Seite der Schlucht erreicht haben, wartet der gefürchtete Wormwood Forest auf sie. Der dichte Nebel zwingt die Reisenden zu einer Rast. Die Pause will Hagamar nutzen, um das Mädchen zu töten. Doch bevor es dazu kommt, ist von ferne Wolfsgeheul zu hören.

Doch die Wölfe, die sich schließlich auf die Gruppe stürzen, sind keine normalen Tiere, sondern welche, die wie von Dämonen besessen zu sein scheinen. 
 
Die erste Angriffswelle können sie noch abwehren, doch weil noch viel mehr Tiere im Hintergrund lauern, flüchten sie Hals über Kopf durch den Wald. Dabei kommt Hagamar ums Leben.

Am nächsten Morgen liegen die Nerven der Reisenden blank. Doch bevor es zum Streit zwischen Debelzaq und Behmen kommt, erreichen die Überlebenden endlich ihr Ziel.

Severac, die düstere Abtei, wirkt allerdings wenig einladend, und auch auf das Klopfen öffnet ihnen niemand das Tor. Kay klettert daraufhin durch einen Spalt hinein und öffnet das Tor von innen. Als die kleine Gruppe die menschenleere Abtei durchsuchen, werden sie schließlich in der Klosterkirche fündig. Alle Mönche sitzen dort tot im Chorgestühl, die all an der Pest gestorben sind.

Doch sie machen noch eine weitere Entdeckung. Auf dem Altar liegt ein Buch, das die geheimen Riten der Kirche gegen Hexerei enthält. 

Die Gefährten ahnen noch nicht, wie nötig sie dieses Buch bald haben werden, denn das Mädchen, das sie im Klosterhof in dem Gefängniswagen zurückgelassen hatten, hat für Behmen und seinen übrigen Gefährten noch eine kleine Überraschung parat...

Nachdem "SEASON OF THE WITCH" in den USA und in Großbritannien floppte, war nicht sicher, ob der Film überhaupt einen deutschen Verleih finden würde. Doch nachdem er in Frankreich (Start: 12. Januar 2011) zum Nummer 1- Hit avanciert war und in den ersten Wochen 2,7 Millionen US-Dollar einspielthat  (und damit "THE GREEN HORNET" auf den zweiten Platz verdrängte), war der Weg schließlich doch frei, den Film unter dem merkwürdigen Titel "DER LETZTE TEMPELRITTER"“ auch in Deutschland auf der Kinoleinwand zu zeigen. 

Nach seiner Rolle als Magier in dem "WALT DISNEY" - Film "DUELL DER MAGIER" ist der Schauspieler NICOLAS CAGE als Ritter zu sehen, der im 14. Jahrhunderten mit einigen Kampfgefährten gegen einen Dämonen antreten muss. 

Neben RON PERLMAN ist in dem Mix aus Ritter- und Horrorfilm auch der Schauspieler CHRISTOPHER LEE in der Rolle des pesterkrankten Kardinal D'Ambroise zu sehen. 

"Erst einmal wollte ich einen Film drehen, der den Leuten wirklich Angst macht. Außerdem war es mein Traum, endlich einen Ritter zu spielen. Das Mittelalter fasziniert mich total. Als ich ein Junge war, baute ich mir eine Burg in unserem Hinterhof und darin verbrachte ich Stunden – ich stellte mir vor, dass ich ein Zauberer oder Ritter sei. Letztlich lernte ich so, was einen Schauspieler ausmacht." (1)

Warum der deutsche Titel des Film "DER LETZTE TEMPELRITTER" lautet, wird wohl immer ein Geheimnis der deutschen Filmverleihfirma bleiben. Denn Tempelritter tauchen im gesamten Film überhaupt nicht auf. 

Doch trotz des verwirrenden Titels bietet der Film nicht nur sehr gute und abwechslungsreiche Unterhaltung, sondern auch eine atmosphärisch dichte Handlung, die die etwas düster wirkende Welt des Mittelalters sehr gut wiedergibt. 

Vergleicht man "DER LETZTE TEMPELRITTER" mit dem etwas sehr oberflächlich wirkenden "WALT DISNEY"-Streifen "DUELL DER MAGIER", so hat ganz klar "DER LETZTE TEMPELRITTER" die Nase vorn, auch weil der Film auch schauspielerisch mehr zu bieten hat.

Zudem ist "DER LETZTE TEMPELRITTER" ein qualitativ hochwertig gedrehter Film, der nicht umsonst bei den Franzosen so gut ankam und durchwegs das Zeug für einen angehenden Klassiker hat.

Zudem gelang es dem  Regisseur DOMINIC SENA ("Passwort Swordfish", "Nur noch 60 Sekunden") den Mix aus Ritter- und Horrorfilm gekonnt zu inszenieren, in dem auch keine Sekunde Langeweile aufkommt.

"Es geht um sechs Menschen auf einer gefährlichen Reise durch ein unbarmherziges Land, und auf dem Weg lernen wir die Figuren erst richtig kennen. Die Story entwickelt sich durch das Zwischenmenschliche und streift dabei schon Fragen von Gut und Böse, von Glauben und Erlösung.

Behmen und sein Freund Felson glauben, sie hätten jetzt das Schlimmste überstanden. Aber sie finden sich inmitten der Pestepidemie wieder, die schon die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft hat. Der Palast des Kardinals ist schließlich so etwas wie der erste Außenposten der Zivilisation, den sie erreichen. Und statt dass sie in den Ruhestand gehen können, stellt er sie vor diese unglaubliche Aufgabe.“  (2)

Die Idee zu "DER LETZTE TEMPELRITTER" hat der Drehbuchautor BRAGI SCHUT JR. seinem Vater, einem begeisterten Amateurhistoriker, zu verdanken. 

Denn als er ihn einmal fragte, was wohl das schlimmste Zeitalter der Menschheitsgeschichte gewesen sein mochte, kam von Seiten seines Vaters die Antwort, dass wahrscheinlich das 14. Jahrhundert, zur Zeit des Schwarzen Todes, das schlimmste Zeitalter gewesen sei, denn in den damals betroffenen Gebieten starben bis zu drei Viertel der Bevölkerung an der Pest.

Um die unberührte Natur, die weite Teile Europas im 14. Jahrhundert ausmachte, auf die Leinwand zu bannen, reisten die Filmemacher nach Europa. Genauer gesagt nach Österreich und nach Ungarn, um passende Drehorte zu suchen und zu finden, an denen die vergangenen sieben Jahrhunderte wenige Spuren hinterlassen hatten.

"Ungarn war unsere Basis, aber wir haben auch einige Zeit in Wien und Salzburg verbracht. Die weiten Wälder, die Klöster und die Schlösser standen größtenteils in Österreich. Für die großen gebauten Sets, und davon hatten wir einige, sind wir in ein ungarisches Studio gegangen.“ (3)

Der Dreh begann schließlich in einem entlegenen Teil des Toten Gebirges in der Steiermark. Bis Ende November spielte das Alpenwetter auch tatsächlich mit, aber dann zogen Sturmtiefs über die Drehorte hinweg, dicht gefolgt von Regen, Schnee und Hagel. Bei den Nachtdrehs im Dezember sank die Temperatur des Öfteren unter den Gefrierpunkt.

Für die Residenz des Kardinals von Marburg musste ein großes mittelalterliches Schloss gefunden werden. Auf der Suche nach einem passenden Objekt schauten sich die Filmemacher Bauten in ganz Europa an. 

Schließlich wurden das Filmteam fündig, als sie auf die Burg Kreuzenstein stießen, die nur 20 Kilometer nordöstlich von Wien auf einem Berggipfel thront.

© by Ingo Löchel

  • (1) Nicolas Cage
  • (2) Produzent Alex Gartner
  • (3) Regisseur Dominic Sena


Der letzte Tempelritter
(Originaltitel: Season of the Witch)
USA 2010

  • Regie: Dominic Sena
  • Drehbuch: Bragi Schut jr.
  • Kamera:  Amir Mokri
  • Schnitt: Mark Helfrich, Dan Zimmerman
  • Kostüme: Carlo Poggioli
  • Musik: Atli Örvarsson

Darsteller

  • Nicolas Cage als Behmen
  • Ron Perlman als Felson
  • Claire Foy als Hexe
  • Stephen Campbell Moore als Debelzaq
  • Stephen Graham als Hagamar
  • Ulrich Thomsen als Eckhart
  • Robert Sheehan als Kay
  • Christopher Lee als Kardinal D’Ambroise

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 95 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 24. März 2010

Keine Kommentare: