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Eine verhängnisvolle Affäre
Basierend auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1987 mit Michael
Douglas und Glenn Close in den Hauptrollen wird in der acht Episoden
umfassenden Miniserie eine Variante des bekannten Plots erzählt, wobei wir hier
Joshua Jackson und Lizzy Caplan als Hauptakteure erleben.
Jackson kennt man aus der in den 90ern sehr beliebten Serie “Dawsons Creek” und aus der Mystery Serie “Fringe”, wo er ebenfalls eine der Hauptrollen übernahm. Caplan sah man unter anderem in der “Castle Rock” - Serie und in Filmen wie “Allied” oder “Cloverfield”. Amanda Peet, die hier die Ehefrau spielt, war zuletzt in der Netflix Serie “Dirty John” zu sehen.
Dass die Serienadaption eines bekannten, erfolgreichen Films durchaus hochwertig sein kann, haben Serien wie etwa “Westworld” eindrucksvoll bewiesen.
Ebenso wie in diesem immerhin 4 Staffeln umfassenden Projekt durfte man auch
hier davon ausgehen, dass man nicht einfach eine auf fünf Stunden gestreckte
Fassung des bekannten Urmaterials serviert bekommt.
Zwar treffen die beiden Hauptcharaktere Dan Gallagher und Alex Forrest
hier unter ähnlichen Umständen aufeinander, allerdings arbeiten die Macher den
Stoff nicht einfach nach Schema F ab, sondern haben sich stattdessen für eine
recht komplexe, chronologisch verschachtelte Erzählweise entschieden.
Wenn man etwa glaubt, dass es sich in einer Szene der Pilotfolge um die
erste Begegnung zwischen Dan und Alex handelt und sich über ein Augenzwinkern
von Alex wundert, so wird einem in der dritten Episode klar, dass diese Szenen
erst sehr viel später stattfinden, als die Affäre bereits längst in vollem
Gange ist.
Hinzu kommt, dass es anders als im Film zwei Handlungsebenen gibt. In der
ersten erleben wird das aus dem Film bekannte und nur großzügig erweitere
Szenario, die zweite setzt 15 Jahre später ein, als der des Mordes an Alex
angeklagte Dan Gallagher nach der entsprechenden Haftdauer entlassen wird und
versucht, seine Unschuld zu beweisen.
Eine nicht nur zeitgemäße, sondern durchaus spannende Variante, zumal
hier die Veränderungen in seinem beruflichen und privaten Umfeld sehr schön
geschildert werden. Man lernt etwa seine nun erwachsene Tochter kennen, die
sich einerseits mit der Entfremdung abgefunden hat, dann aber zulässt, dass ihr
Vater den Kontakt sucht, was natürlich zu diversen Schwierigkeiten führt.
Diese zweite Handlungs- und Zeitebene sorgt natürlich vor allem dafür,
dass die Spannung auch für jene aufrechterhalten wird, die den Film in und
auswendig kennen und sich nun mit der Frage befassen dürfen, wer Alex denn
tatsächlich umgebracht hat. Eine sehr gute, clevere Idee.
Zumal man hier auch subtiler vorgeht, was die Charakterzeichnung vor
allem der Figur Alex Forrest betrifft, deren psychische Störung erst nach und
nach zum Vorschein kommt, wobei auch hier wieder mit häufigen Rückblenden und
Perspektivwechsel gearbeitet wird.
So sieht man etwa in einer Episode, wie in dem Restaurant, in dem sie mit
Dan sitzt plötzlich die Sprinkleranlage losgeht, (im Film hat es einfach nur
geregnet) was natürlich dazu führt, dass Dan zu ihr nach Hause muss, um seine
Klamotten zu trocknen, worauf man im Bett landet. In einer späteren Episode wird
diese Szene nochmal aus Sicht von Alex wiederholt und man sieht, dass sie sich
nicht nur “frisch” macht, sondern auf dem Klo zündelt und die Dinge so ins
Rollen bringt.
Solche Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln gibt es immer wieder, mit
dem Effekt, dass man das anfangs noch völlig normal erscheinende Verhalten von
Alex in einem ganz anderen Licht betrachtet, bis man zu dem Schluss kommt, dass
diese Dame ein wesentlich größeres Problem zu haben scheint, als die von Glenn
Close gespielte Filmfigur, die von Anfang an irgendwie leicht durchgeknallt
wirkt.
So treibt man hier ein ziemlich raffiniertes Spiel sowohl mit der Figur
Dan Gallagher, die von Jackson äußerst überzeugend dargestellt wird, als auch
mit dem Zuschauer, der gar nicht anders kann, als Mitleid mit der armen Alex zu
empfinden, die einerseits weiß, worauf sie sich einlässt, andererseits aber
versucht, Dan an sich zu binden, mit den Mitteln, die man halt anwendet, wenn man
um jemanden kämpft. Erst im Nachhinein ist zu sehen, wie perfide und eigentlich
völlig emotionslos kalkuliert sie diese Mittel einsetzt, um Dan zu
manipulieren.
Dabei ist es immer wieder interessant, wie einige Szenen und Dialoge aus
dem Film hier leicht abgewandelt eingefügt werden, was eher wie eine Hommage
und nicht störend wirkt, da die Serie eigenständig genug ist, dass man auch
darauf hätte verzichten können.
So sieht man etwa ein weißes Kaninchen durchs Bild hoppeln, das Alex mit
der Bemerkung “Verschwinde, Scheißvieh” mal eben zur Seite fegt (das arme
Haustier der Tochter wurde von der Film - Alex in den Kochtopf befördert).
Dann wird wieder mit der Erwartung des Zuschauers gespielt, als etwa der
Hund verschwindet und man natürlich sowieso schon immer damit rechnet, dass
dieser als erstes dran glauben muss, aber dann ist es nicht der Hund, sondern
die Schwiegermutter, die im Pool treibt…
Eine verhängnisvolle AffäreWobei man einige aus dem Film bekannte Szenen
auch hätte weglassen können, wie etwa den “Koitus Interruptus” durch das
Hereinplatzen der Tochter ins Schlafzimmer.
Im Film hat man wohl versucht, Dans Fehltritt mit seinem nicht mehr
vorhandenen Sexleben zu erklären, aber eine solche Erklärung ist hier
eigentlich unnötig, weil der Fehltritt angesichts der Umstände sowieso
unumgänglich ist.
Einige Unterschiede sind aber eindeutig dem Umstand geschuldet, dass wir
es hier mit einer Serie zu tun haben. So dauert etwa die Affäre auch wesentlich
länger, als im 90 Minuten Film, was aber letztlich auch der Glaubwürdigkeit
zugutekommt, warum dann nach dem Ende der Affäre so schwere Geschütze
aufgefahren werden (psychische Störung hin oder her).
Neben den beachtlichen Leistungen der beiden Hauptdarsteller können auch
die anderen Darsteller überzeugen, wie etwa die von Alyssa Jirrels dargestellte
Tochter, wobei eine Amanda Peet hier nach ihrer wirklich brillanten Leistung in
“Dirty John” als Mutter etwas unterfordert ist, wenn ihr Charakter auch etwas
mehr Tiefe hat, als die einfach nur liebe und nette Film - Mutter.
Alles in allem eine erstklassige, überraschend vielschichtige Serie, die
in jedem Fall Spaß macht, ob man den Film nun kennt oder nicht, wobei ersteres
der Spannung überhaupt keinen Abbruch tut.
Vor allem Joshua Jackson überzeugt hier, weil er nicht so aalglatt daher
kommt, wie Michael Douglas im Film, was sich gerade in der gegenwärtigen
Handlungsebene positiv auswirkt, in der er versucht, seine Unschuld zu beweisen und feststellen muss, dass die
Freunde und Vertrauten von früher nicht mehr alle zu ihm stehen.
Aber auch und gerade Lizzy Caplan überzeugt durch ihr intensives Spiel
und die Fähigkeit, nicht nur ihren Kollegen Dan sondern auch mich als Zuschauer
mit einer perfekten Maskerade zu täuschen, wobei hier die stärksten Momente
immer dann stattfinden, wenn man einen Blick hinter diese Maske werfen darf…
© by Stefan Robijn

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