Montag, 18. Juli 2022

SF-Film: Pitch Black - Planet der Finsternis (2000)

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Andock-Pilotin Fry (Radha Mitchell) mit ihrem Raumschiff zur Notlandung auf dem planetengroßen Mond eines entlegenen Gasriesen gezwungen.

Dabei kommt ihre Mannschaft ums Leben, einige der an Bord befindlichen Passagiere jedoch überleben die Bruchlandung. Der Polizist Johns (Cole Hauser) bleibt unverletzt, doch auch sein Gefangener, der gefährliche Killer Riddick (Vin Diesel), übersteht die Landung.

Jetzt müssen sich die Verbliebenen bei ihrer Erkundung des unglaublich heißen Mondes zusammenschließen, wollen sie eine Überlebenschance haben.

Der Mond empfängt das Licht von drei Sonnen, ist von seltsamer Atmosphäre, dürr und leblos. 

Aber als der Gasriese das Licht aller drei Sonnen verdunkelt und die Nacht Einzug hält, tauchen fremdartige Bewohner aus der Finsternis auf...

Mit dieser Angst des Menschen vor der Dunkelheit im Hinterkopf schrieben die Brüder Ken und Jim Wheat die Geschichte zu „PITCH BLACK - PLANET DER FINSTERNIS“. Produzent Tom Engelman bekam es zu lesen und entschloss sich, den Film zu verwirklichen.

"Ich fand die Idee hinter 'Pitch Black - Planet der Finsternis' sehr spannend. Für mich geht es dabei um die schlimmste unsere Kindheitsängste in der Dunkelheit. Ich erinnere mich deutlich an eine Begebenheit aus meiner Kindheit: als ich fünf Jahre alt war, übernachtete ich einmal nicht zu Hause, und mitten in der Nacht wurde ich in einem fremden Raum wach und hatte panische Angst. Ich fiel von der oberen Matratze des Doppelbettes hinunter und hatte solche Angst, dass ich nach Hause rannte.

Dabei schrie ich die ganze Zeit, und alles, was ich sah, kam mir wie ein Monster oder Dämon vor. Als ich nun dieses Drehbuch zum ersten Mal las, wirkte es auf mich, als ginge es darin ursächlich um dieses Kindheitstrauma, die Angst vor der Dunkelheit, die die meisten von uns nie wirklich loswerden." (1)

Für die Verwirklichung des Films, engagierte Produzent Engelman den Regisseur DAVID TWOHY, der zusammen mit den Brüdern Wheat auch das Drehbuch zum Film schrieb. Twohy hatte durch seine beiden Filme „TIMESCAPE“ (1992) und „DIE ANKUNFT“ (1996) bereits Erfahrungen im Bereich der SF sammeln können.

Noch vor Drehbeginn wurde es für Produzent Engelman zur Hauptaufgabe, Experten zu finden, die jene nächtlichen Lebewesen, die den Mond im Film bevölkern, entwerfen und entwickeln konnten.

"Wir suchten uns die Besten aus, die wir finden konnten: Patrick Tatopoulos (Creature Design und Leitung) etwa, der gerade seine Arbeit an ,Godzilla' beendet hatte. Er stieg sofort bei uns ein und entwarf ein Konzept für unsere Kreaturen, das sehr außergewöhnlich und etwas absolut Neues war. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir ihn an Bord hatten." (2)

Zwei Monate lang arbeitete Patrick Tatopoulos eng mit Twohy zusammen, der dafür war, die Kreaturen realistischer - und somit Furcht einflößender - zu machen. Das Resultat waren Monster irgendwo zwischen Dinosaurier und Vögeln.

Als Nächstes engagierte man für die Realisierung der Kreaturen JOHN COX. Zudem wurde PETER CHIANG für die visuellen Effekte engagiert, der die digitale Animation der Kreaturen mithilfe von 200 Visual Effect Shots überwachte.

Danach begann die 'Suche' nach der richtigen Besetzung für den Film. VIN DIESEL entschied sich für die Rolle des RIDDICK auch deswegen, weil er fand, dass die Figur nicht die Person ist, die der Zuschauer erwartet, wenn er ihn zum ersten Mal sieht.

"Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, sprang mich diese Figur richtiggehend an: es war die bestgeschriebene Rolle, die mir seit langem begegnet war. Jeder, der schon einmal vorschnell verurteilt wurde, wird sich mit Riddick identifizieren können. Für mich geht es in der Story sehr darum, wie der Mensch unter extremsten Bedingungen reagiert, und wie unterschiedlich Menschen mit ihrer Angst und ihrem absoluten Überlebenswillen umgehen." (3)

Die australische Schauspielerin RADHA MITCHELL wurde für die Rolle der Pilotin Fry engagiert.

"Fry ist eine interessante Figur: Die emotionalen Ebenen, die sie durchläuft, sind sehr intensiv, und für mich war das ein Ansporn. De facto ist Fry die Anführerin der Gruppe, denn sie ist das ranghöchste Crewmitglied, das den Absturz überlebt hat. Gleichzeitig steht sie vor einer ungeheuren Aufgabe. Das war eine Gratwanderung. Fry ist so etwas wie das Auge des Publikums: Durch sie fühlen die Zuschauer die Qualen, die Dunkelheit und die Angst vor dieser Finsternis.

Beim Absturz des Raumschiffes kommen die meisten an Bord ums Leben. Fry fühlt sich für ihren Tod verantwortlich, aber zugleich sieht sie sich jetzt selbst in die Rolle der Anführerin gedrängt. Daher ist sie voller Selbstzweifel und Schuldgefühle. Schließlich entdeckt sie ihre innere Stärke, ergreift die Kontrolle und findet durch diese Erfahrung zu einer neuen Reife.Es war eine Rolle, die mir eine Menge Energie abverlangt hat, aber ich bin froh, dass ich die Gelegenheit hatte, Fry zu spielen." (4)

Während man sich um Besetzung und die Realisierung der Kreaturen kümmerte, wurde schon früh die Entscheidung getroffen, den Film „PITCH BLACK“ in Australien zu drehen.

Anthony Winley, ein Veteran australischer Filmproduktionen, kam als ausführender Produzent zum Projekt. Und neben der Australierin Radha Mitchell engagierte man mit der Newcomerin Rhiana Griffith und den Darstellern Lewis Fitz-Gerald und Claudia Black weitere von Mitchells Landsleuten.

Neben dem Amerikaner Vin Diesel stand dessen Landsmann Cole Hauser als Polizist Johns vor der Kamera. Wie Diesel wurde auch Hauser beim Drehbuchlesen auf die Entwicklung seiner Figur aufmerksam, die eigentlich ein Kopfgeldjäger ist.

"Ich war schon immer neugierig darauf, wie man auf kleine Stücke Klebeband an der Wand reagiert, die im fertigen Film dann Grauen erregende Kreaturen sind, die dir jeden Moment den Kopf abreißen können. Es ist eines, sich hinzusetzen und zu schauspielern, aber das hier war schon ein klein wenig anders. Es ist sehr schwierig; man muss ganz tief in sich hineinhören, um diese ganze Angst an die Oberfläche bringen." (5)

Nachdem die Kreaturen fertig waren und man die Schauspieler beisammen hatte, begannen die Dreharbeiten im australischen Coober Pedy.

"Wir brauchten eine einzigartige Umgebung, die so verlassen und gefährlich aussah wie der Mars. Und wir fanden sie, mitten in Südaustralien, in einer entlegenen Stadt." (6)

Das Land in Coober Pedy, heilig und größtenteils nicht detailliert in Karten verzeichnet, gehört den australischen Ureinwohnern. Die gesamte Gegend ist von einer Steinschicht bedeckt, die sich schwer beschreiben lässt und der Region einen surrealen Anstrich gibt. Unglücklicherweise hatte die Produktion während der drei Sommermonate des Drehs dort aber mit aller Art von schlechtem Wetter zu kämpfen.

"Wir brauchten drei Wochen Sonne, ohne eine Wolke am Himmel. Was wir bekamen, waren aber Regen in Sturzbächen, heftige Winde und bedeckter Himmel. Glücklicherweise entwickelten Chefkameramann David Eggby und ich einen sogenannten ,bleach-bypass', einen Bleich-Prozess, den wir auf das Original-Kameranegativ anwendeten. Dieser Prozess verleiht dem Film einen ausgewaschenen, verbrannten Look, mit dem wir diese ungünstigen Wetterbedin-gungen kaschieren konnten." (7)

Nach drei Wochen Außendreh zog die Produktion quer durch Australien in die Warner Roadshow-Studios an der Goldküste von Queensland (in denen auch der Film „THE MATRIX“ entstanden ist), und drehte mehrere Wochen in den dortigen Hallen.

Der SF-Film „PITCH BLACK“ geht im Grunde nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip vor. Nachdem das Raumschiff abgestürzt ist, müssen sich die ungleichen Überlebenden zusammenraufen, um zu überleben.

Nachdem die kleine Gruppe eine verlassene geologische Forschungsstation entdeckt hat, geht das Töten durch die blutdürstigen Wesen los, die durch die Sonnenfinsternis und die aufkommende Finsternis an die Oberfläche gelockt werden und nach und nach die Gruppe dezimieren.

Einzige Rettung scheint ein kleines Raumschiff zu sein, dass in der Forschungsstation entdeckt wird. Dafür benötigen die Menschen aber die Energiezellen ihres abgestürzten Transportschiffes, von denen jede ca. 35 Kilo wiegt. Und die Zeit drängt. Zumal die Strecke von der Forschungsstation zum abgestürzten Transportschiff und zurück nicht gerade kurz ist. Und auch die aufkommende Dunkelheit, in der sich die Monster perfekt verstecken können, ist ihr Feind. Hier hat Riddick einen großen Vorteil gegenüber seinen 'Partnern': Er kann durch seine künstlichen Augen perfekt im Dunklen sehen.

Riddick in Gestalt von VIN DIESEL ist im Grund ein Antiheld. Ein flüchtiger Verbrecher und Gefängnisausbrecher, der nur an sich und seine eigene Rettung denkt. Doch die übrigen Figuren im Film sind auch nicht gerade Sympathieträger. Da haben wir zum Beispiel den Gesetzeshüter John, gespielt von Cole Hauser, der Riddick gejagt und festgenommen hat, der sich im weiteren Verlauf des Filmes aber bisweilen als noch schlimmer als Riddick entpuppt. Denn er geht ebenfalls, ohne mit der Wimper zu zucken, über Leichen.

Auch die Pilotin Fry in Gestalt der Schauspielerin Radha Mitchell hat ebenfalls ihr Päckchen zu tragen. Denn sie wollte, um ihren eigenen Hintern zu retten, das Frachtabteil mit den im Kälteschlaf liegenden Passagieren ins Weltall abkoppeln. Und so geht es mit den Figuren im Film munter weiter.

Alles in allem hat man in dem SF-Streifen keine wirkliche Figur, an die man sich im Film positiv orientieren bzw. mit der man sich identifizieren kann oder die einem sympathisch ist, was ein klares Manko von „PITCH BLACK“ ist. Man findet es zwar schade, wenn die eine oder andere Figur im Film von den fledermausartigen Wesen getötet wird, aber wirklich nachtrauern tut man keiner.

Selbst bei dem Antihelden Riddick ist man immer im Zwiespalt, obwohl man immer im Hinterkopf hat, dass der vermutlich als Einziger überleben wird. Ist zwar am Ende nicht ganz richtig, aber der Knabe überlebt. Nichtsdestotrotz ist Riddick wohl die interessanteste Figur im ganzen Film, weil er so gar nicht in das Schema eines typischen Filmprotagonisten bzw. Filmhelden passt.

 © by Ingo Löchel

(1) Tom Engelman
(2) Tom Engelman
(3) Vin Diesel
(4) Radha Mitchell
(5) Cole Hauser
(6) Tom Engelman
(7) David Towhy

Pitch Black - Planet der Finsternis
(Originaltitel: Pitch Black)
USA 2000

Stab
Regie: David Twohy
Drehbuch: David Twohy, Ken und Jim Wheat
Kamera: David Eggby
Schnitt: Rick Shaine
Musik: Graeme Revell

Darsteller
Vin Diesel als Richard B. Riddick
Radha Mitchell als Carolyn Fry
Cole Hauser als William J. Johns
Keith David als Abu „Imam“ al-Walid
Lewis Fitz-Gerald als Paris P. Ogilvie
Claudia Black als Sharon „Shazza“ Montgomery
Rhiana Griffith als Jack / Jackie
John Moore als John „Zeke“ Ezekiel
Simon Burke als Greg Owens
Les Chantery als Suleiman
Firass Dirani als Ali
FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 108 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 7. September 2000
 

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