Montag, 7. März 2022

Actionfilm: The Expendables (2010)

Das einzige, was sie im Leben kennen, ist der Kampf. Den einzigen Menschen, den sie vertrauen, sind sie selbst. Sie sind die Expendables (Expendable = Jemand, der geopfert werden kann, um ein militärisches Ziel zu erreichen). 

Der kaltblütige, emotionslose Barney Ross (Sylvester Stallone) hat nichts zu verlieren: Er ist der Anführer, das Gehirn und der Stratege der Gruppe, die in der Grauzone zwischen Recht und Kriminalität unverbrüchlich zusammenhält.

Es gibt nur wenig, was ihm wichtig ist: sein Truck, sein Wasserflugzeug und sein Team loyaler moderner Kämpfer. Als echter Zyniker beschreibt Barney sich als Reinigungsmittel für hartnäckige Flecken“.

Zu seinem Team zählen der ehemalige SAS-Messerexperte Lee Christmas (Jason Statham); der Nahkampfspezialist Yin Yang (Jet Li); der auf  Feuerwaffen spezialisierte Hale Caesar (Terry Crews), der Barney seit zehn Jahren kennt; der Sprengstoff-Experte Toll Road (Randy Couture), der als Intellektueller der Gruppe bezeichnet wird; sowie der Kriegsveteran und Scharfschütze Gunnar Jensen (Dolph Lundgren), der sich mit persönlichen Problemen herumschlägt.

Der geheimnisvolle Mr. Church (Bruce Willis) bietet Barney einen Job an, den alle anderen bereits abgelehnt haben für Barney und seinen Expendabels-Team sieht der Auftrag zunächst wie eine Routine-Mission aus: Sie sollen den mörderischen Diktator General Garza (Davis Zayas) im kleinen Inselstaat Vilena stürzen und damit das Volk aus jahrelanger Schreckensherrschaft befreien. Auf einem Erkundungstrip in Vilena treffen sich Barney und Christmas mit ihrer Kontaktperson, der Widerstandskämpferin Sandra (Giselle Itie), die aber etwas zu verbergen hat.

Sie erfahren, wer ihre tatsächlichen Gegner sind: der skrupellose Ex-CIA-Agent James Monroe (Eric Roberts) und sein Mann fürs Grobe, Paine (Steve Austin). Als die Mission aus dem Ruder läuft, müssen Barney und Christmas Sandra zurücklassen – was  ihr Todesurteil bedeuten könnte.

Barney kann sein eigenes Versagen nicht akzeptieren und überredet das Team zu einem weiteren Trip nach Vilena, um die Geisel zu befreien und den Auftrag zu Ende zu bringen. Vielleicht rettet er so nicht nur Sandra, sondern auch sich selbst.

Als SYLVESTER STALLONE sich an seinen Schreibtisch setzte (er schreibt mit der Hand, verwendet weder Schreibmaschine noch Computer), stellte er sich „THE EXPENDABLES“ als beinharten Actionfilm vor.

Dabei ließ sich Stallone von klassischen Actionfilmen wie „DAS DRECKIGE DUTZEND“ und „DIE HUNDE DES  KRIEGES“ inspirieren: Filme mit überzeugenden Storys, in denen Männer noch Männer sind, die ihre Konflikte im Nahkampf bewältigen.

„Ich wollte mich auf ein bestimmtes Gefühl, auf eine bestimmte Art des Filmemachens, auf eine bestimmte Mentalität zurückbesinnen. Es geht um Männer, die nicht mehr im Einklang mit der Welt sind, dabei aber feste Regeln befolgen. Sie haben keine Familien, ihr Privatleben ist ein einziges Chaos – sie können sich nur aufeinander verlassen. Ich möchte den Zuschauern zeigen, was in solchen Männern vorgeht.“ (1)

Im Verlauf der folgenden Monate entwickelte Stallone die Story. Dabei war Stallone sich sehr wohl bewusst, dass er sich mit diesem Skript als Autor und Regisseur auf Neuland vorwagte.

Denn er konnte sich diesmal nicht auf einen berühmten Helden wie RAMBO und ROCKY verlassen. Aus diesem Grund musste die Mythologie der Expendables für die Geschichte ganz neu entwickelt werden. Im Zentrum steht seine eigene Rolle als Barney Ross, die ihn körperlich und emotional extrem forderte.

„Sly geht oft Risiken ein darin hat er sich nie geändert. Der erste Rocky-Film war für ihn ein großes Risiko. Ebenso der erste Rambo-Film. Jetzt muss er wieder eine neue Figur erfinden, sich körperlich entsprechend in Form bringen und dieses unfassbare Ensemble an schwierigen Schauplätzen inszenieren – all das birgt Risiken. Seine gesamte Karriere ist von Risiken geprägt, und nur dadurch konnte er zur Ikone werden. Er kennt keinerlei Angst.“ (2)

Als Stallone mit dem Drehbuch endlich zufrieden war, hatte er es mehr als hundert Mal überarbeitet: Er gab dem Film eine ganz neue Richtung, wichtige Figuren wurden entweder gestrichen oder völlig neu konzipiert.

Schon beim Schreiben dachte Stallone an JET LI und JASON STATHAM als Besetzung für Yang und Christmas. Mit beiden hatte er bisher noch nicht zusammengearbeitet, aber er schätzte ihre Filme und wusste genau, was sie leisten können.

Ohne Stallone jemals persönlich begegnet zu sein, unterschrieb Li den Vertrag für die Rolle des Expendable Yin Yang, eines vietnamesichen Amerikaners, dessen Vorstellungen vom amerikanischen Traum sich reichlich verzerrt haben. Mit zurückhaltender Intensität spielt Jet Li Yang einen Nahkämpfer, der beim Angriff pfeilschnell durch die Luft saust, bevor seine Gegner überhaupt begreifen, wie ihnen geschieht.

„Die Besetzung von Jason war in gewisser Weise Glückssache. Denn man weiß vorher nie, ob die Chemie auch stimmt. Er stammt aus einer ganz anderen Kultur als ich, und er ist erheblich jünger. Persönlich fand ich, dass er in seinen bisherigen Filmen noch nicht alle seine Fähigkeiten voll ausschöpfen konnte – die wollte ich jetzt in die Gestaltung seiner Rolle einbringen. Bei mir darf er Gefühle zeigen, optimistisch sein.“  (3)

Für DOLPH LUNDGREN war die Rolle des Gunnar Jensen eine Art Heimkehr: 25 Jahre nach seinem Auftritt als russischer Boxer Ivan Drago in „ROCKY IV“ stand Lundgren Stallone erneut gegenüber. Lundgren kann auf eine lange und abwechslungsreiche Karriere zurückblicken und hat dabei auch selbst Filme inszeniert, doch die Rolle des Gunnar empfand er als Gelegenheit, sich selbst ganz neu zu definieren.

„Stallone hat meine Karriere mit Ivan Drago angeschoben. Jetzt bin ich hier, bin ein wenig älter geworden, und wieder hat Sly eine vielschichtige, überlebensgroße und ikonenhafte Rolle für mich geschrieben. Durch diese deutlich komplexere Figur werden die Zuschauer mich hoffentlich in einem ganz neuen Licht sehen.“ (4)

Bei der Besetzung des Toll Road, der nicht nur den Verstand, sondern auch die rohe Gewalt der Gruppe repräsentiert, suchte Stallone nach einem Sportler mit Kampfausbildung und Star-Charisma. All das und mehr bietet RANDY COUTURE, Champion in den Mixed Martial Arts.

Stallone bat dann seinen alten Freund MICKEY ROURKE, die kleine, aber wichtige Rolle des Tool zu übernehmen, der nicht mehr Mitglied der Expendables ist und heute mit dem Vermitteln von Geheimoperationen sein Geld verdient. 

Als Tarnung dient ihm sein Tattoo-Shop, der sich zum Hauptquartier des Teams entwickelt – hier wird Seelenmassage betrieben, hier wird Tacheles geredet, hier bewährt sich die Kameradschaft, der Zusammenhalt. Hier zeigt das Team allerdings auch erste Auflösungserscheinungen, als Barney einen Job akzeptiert, den die übrigen für ein Himmelfahrtskommando halten.

Auf den ersten Blick scheint Tool sein Leben im Griff zu haben, doch in Wahrheit ist er tief enttäuscht. In einer Szene ergibt sich eine Aussprache mit Barney, in der Tool spürt, dass Barney plötzlich einen Funken Menschlichkeit in sich entdeckt hat, den er für längst erloschen gehalten hat.

„Ich bin etwas älter als er, aber wir sind in der Branche praktisch zusammen aufgewachsen. Wir beide haben in unserem Leben Höhen und Tiefen erlebt. Er ist ein sehr sensibler, außergewöhnlicher Typ deshalb dachte ich mir: Wenn er genau diese außergewöhnlichen Eigenschaften in die Figur des Tool einbringt, wäre das spitzenmäßig.“  (5)

Das letzte noch fehlende Puzzle-Stück war die Rolle der Sandra, jener Frau, die Barney und Christmas in höchster Gefahr zurücklassen, als ihre Erkundungstour in Vilena schief läuft. Sandra ahnt nicht, dass sie in Barney einen tief greifenden Wandel auslöst. Sandra musste tough, intelligent und schön sein. Vor allem aber musste sie sich in einem Film behaupten, der ansonsten von Männern dominiert wird.

Die brasilianische Schauspielerin GISELLE ITIE  (ausgesprochen Itschie) hat zwar eine Box- und Jiu-Jitsu-Ausbildung, aber noch nie einen Action-Film gedreht. Trotzdem wurde sie im Zuge des weltweiten Castings für die Rolle ausgewählt.

Die Dreharbeiten zu einem Film mit den Dimensionen von „THE EXPENDABLES“ brachten notwendigerweise etliche Probleme mit sich. Diese vervielfachen sich, wenn im Ausland gedreht wird, vor allem dann, wenn dort nicht die Infrastruktur vorhanden ist, auf die ein Film dieser Größenordnung angewiesen ist.

Beim Dreh mussten sich die Produzenten mit logistisch komplizierten Schauplätzen arrangieren, Kommunikations- und Sprachbarrieren überwinden, einheimische Crew-Mitglieder einarbeiten und sich der Kultur und den Sitten vor Ort anpassen.

Die Dreharbeiten zu „THE EXPENDABLES“ begannen am 28. März 2009 in Brasilien. Drehorte des Films waren Rio de Janeiro, Mangaratiba, Niterói, Guanabara-Bucht, Colônia Juliano Moreira und Parque Lage.

„Fraglos stellen Dreharbeiten in Brasilien auf etlichen Ebenen eine große Herausforderung dar. Aber die Architektur, die Landschaft mit den Fischerdörfern, dem Dschungel und den unverwechselbaren Gesichtern der Menschen liefert uns den Look, den wir nirgends sonst gefunden hätten.“  (6)

Oft genug erwies sich Mutter Natur als das größte Problem während der Produktion. In Brasilien kam es öfter vor, dass monsunartige Wolkenbrüche ohne Ankündigung niederprasselten und den Drehplan durcheinander brachten. Problematisch waren auch die Hitze und die Feuchtigkeit. Das Thermometer stieg oft über 43° Celsius, und die Luftfeuchtigkeit war oft extrem hoch. Darunter mussten Darsteller, Team-Mitglieder und Ausrüstung leiden.

In Brasilien fand Produktionsdesigner Franco Carbone auch ein Gebäude, das Stallones Vorstellung von General Garzas Palast entspricht. Carbone schaute sich Hunderte von Locations an, um ein majestätisches Gebäude zu finden dann entschied er sich für eine Villa aus den 1920er-Jahren im Stil eines Chateau.

Es bildet das Zentrum des Parque Lage, eines Volksparks am Fuße des Berges Corcovado, auf dem die Christusstatue steht. Dieser wunderschöne Park mit seinen Teichen und Gärten im englischen Stil bietet genau das richtige Ambiente für den schurkenhaften Diktator Garza, den der Charakterdarsteller David Zayas spielt.

Nach dem Dreh in Brasilien und einer Pause wurden die Dreharbeiten vom 25. April 2009 bis 11. Mai 2009 in den USA fortgesetzt. Die Drehorte waren Elmwood, Louisiana und Downtown New Orleans im French Quarter sowie die St. Peters Street, die Claiborne Avenue sowie das Fort McComb sowie Aufnahmen auf der Interstate 10.

Wie in Brasilien wurde auch in New Orleans vorwiegend an Originalschauplätzen gedreht. Und auch hier musste das wechselhafte Wetter bedacht werden. Beim Dreh im Fort McComb, einem Labyrinth aus Katakomben, die Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden und Anfang des Sezessionskrieges von den Konföderierten benutzt wurden, bevor die Union sie eroberte, setzte drei Tage dauernder, sintflutartiger Regen den Schauplatz unter Wasser, was den Drehplan um mehrere Tage zurückwarf. Doch letztlich lieferte New Orleans genau das, was es versprochen hatte: Charakter und Atmosphäre.

Gleich zu Beginn der Aufnahmen wurde deutlich, dass nur der äußerst engagierte Einsatz aller Beteiligten zum Erfolg führen würde. Alle waren sich vollkommen darüber im Klaren, dass man den Vorgaben des Regisseurs folgen und das Tempo halten musste, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen. In jedem Fall war Flexibilität gefragt.

„Sly hat ein klares Konzept.  Aber er verwendet keine vorgeplanten Listen mit Einstellungen. Am Drehtag entscheidet er vor Ort, wie er vorgehen will – dadurch läuft der Arbeitsprozess sehr flüssig. Ich kenne sonst niemanden, der mit solcher Detailgenauigkeit arbeitet.“  (7)

Stallone setzte fünf Kameras und eine Steadicam gleichzeitig ein, um die ganze Bandbreite der Action-Sequenzen einzufangen. Dabei verließ er sich auf Kameramann JEFFREY KIMBALL, der für den Gesamtstil und den Bildaufbau verantwortlich war.

Für die Choreografie und Umsetzung der komplizierten und oft auch gefährlichen Stunts wurde Stunt Coordinator CHAD STAHELSKI  engagiert. Stahelski hatte mit Stallone bereits an “JOHN RAMBO“ zusammengearbeitet .

„Ich habe mir vorgenommen, einen Film zu machen, wie es ihn nur alle paar Jahre einmal gibt: Ich benutze eine bewährte Formel und bringe sie auf die Höhe der Zeit. Ich finde, dass uns das gelungen ist: Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Film.““ (8)

Die Dreharbeiten zu „THE EXPENDABLES“ endeten offiziell am 1. Juli 2009. Am 26. Oktober 2009 mussten jedoch die gemeinsame Szene von Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone in der Hollywood Presbyterian Church in Los Angeles nachgedreht werden, damit  alle drei Schauspieler auch zusammen in derselben Szene im Film zu sehen sind.

Bei einem Budget von 82 Millionen US-Dollar, spielte der Action-Film „THE EXPENDABLES“ unter der Regie von Sylvester Stallone weltweit 274,6 Millionen US-Dollar ein

Ohne Computereffekten und Computeranimationen gelang dem Regisseur und Schauspieler SYLVESTER STALLONE ein beachtlicher und realistisch angehauchter Actionfilm, der nicht nur durch seine stimmige Besetzung und sehr gelungenen Action-Szenen punkten kann, sondern indem unter anderem auch die Schauspieler JASON STATHAM, JET LI und DOLPH LUNDGREN ihr ganzes Können unter Beweis stellen können.

© by Ingo Löchel

 

  • (1) Sylvester Stallone
  • (2) Avi Lerner
  • (3) Sylvester Stallone
  • (4) Dolph Lundgren
  • (5) Sylvester Stallone
  • (6) Les Weldon
  • (7) John Thompson
  • (8) Sylvester Stallone


The Expendables
USA 2010

Stab

  • Regie: Sylvester Stallone
  • Drehbuch: David Gallaham und Sylvester Stallone
  • Kamera: Jeffrey Kimball, A.S.C.
  • Schnitt: Kenn Blackwell und Paul Harb
  • Musik: Brian Tyler

Darsteller
Sylvester Stallone als Barney Ross
Jason Statham als Lee Christmas
Dolph Lundgren als Gunnar Jenson
Jet Li als Yin Yang
Terry Crews als Hale Caesar
Randy Couture als Toll Road
David Zayas als General Garza
Giselle Itie als Sandra
Eric Roberts als James Monroe
Charisma Carpenter als Lacey
Mickey Rourke als Tool
Bruce Willis als Mr. Church
Arnold Schwarzenegger als Trent Mauser 

FSK: Ab 18 Jahren
Laufzeit
  • Kinofassung: 104 Minuten
  • Director’s Cut: 114 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 26. August 2010
 

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