Dienstag, 19. März 2024

SF-Film: Looper (2012)

Die Zukunft im Jahre 2044 sieht nicht besonders rosig aus. Mit der Weltwirtschaft ist es stetig bergab gegangen, Industrieanlagen liegen brach und die meisten Menschen fahren noch immer die gleichen Autos wie zu Beginn des Jahrtausends.

Die Geschicke der Städte werden von Gangstern gelenkt und wer zumindest ein kleines bisschen am Reichtum schnuppern will, muss sich auf die eine oder andere Weise mit ihnen einlassen. So wie Joe (Joseph Gordon-Levitt), ein so genannter Looper, ein gut entlohnter Auftragskiller der Mafia.

Joes Opfer kommen dabei aus der Zukunft. Genauer gesagt: aus dem Jahre 2074, in dem Zeitreisen längst erfunden und offiziell verboten sind. 

Nur die skrupellosen Verbrechersyndikate, die alle großen Städte unter ihrer Kontrolle zu haben scheinen, bedienen sich dieser Methode, um mit ihr jeden aus dem Weg zu räumen, der ihnen im Weg steht.

Die Bezahlung erfolgt durch Silberbarren. Wen sie also loswerden wollen, schicken sie kurzerhand geknebelt und gefesselt zusammen mit den Barren 30 Jahre in die Vergangenheit. Und dort warten dann schon an der immer gleichen Stelle Looper, so wie Joe, um das Opfer zu erschießen und die Leiche zu entsorgen.

Für die Bosse der Zukunft ist das eine todsichere Methode. Doch dafür die Looper in der Gegenwart setzen ihr Leben aufs Spiel. Zwar genießen sie eine Weile lang ein luxuriösese Dasein, und auch Joe stapelt in seinem geheimen Safe das Silber und vergnügt sich in Nachtclubs mit der Prostituierten Suzie (Piper Perabo), aber er weiß, eines Tages wird auch sein Loop geschlossen werden.

Um keinerlei Spuren zu hinterlassen, schicken die Gangster der Zukunft die Looper 30 Jahre nach ihrem letzten Auftrag zurück in die Vergangenheit, um sie von sich selbst umbringen zu lassen.

Wie gnadenlos die Truppen von Gangsterboss Abe (Jeff Daniels), der in der Gegenwart über die Looper wacht, jeden jagen, der seinen Loop laufen lässt, muss Joe miterleben, als sein Kumpel und Kollege Seth (Paul Dano) irgendwann Ladehemmungen hat und dies mit einem qualvollen Tod bezahlt.

Eines Tages soll tatsächlich auch Joes Loop geschlossen werden. Doch als Joe mit gezückter Waffe an der üblichen Stelle wartet, geschieht etwas Unerwartetes. Sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) sitzt ohne den üblichen Sack über dem Kopf vor ihm und blickt ihm direkt in die Augen. Für einen Moment zögert der jüngere Joe – und lässt sich von sich selbst überrumpeln.

Dem aus der Zukunft kommenden Joe geht es nicht nur darum, sein eigenes Leben zu retten. Er hat erlebt, wie sich die folgenden Jahre entwickeln und mit welcher blutigen Terrorherrschaft ein als Regemacher bekannter Schwerverbrecher immer mächtiger und mächtiger zu werden scheint.

Allerdings weiß der ältere Joe, der auch aus ganz persönlichen Gründen auf Rache sinnt, wo der Regemacher im Jahre 2044 als kleiner Junge möglicherweise gelebt hat. Er hat die Koordinaten von drei Orten in seinen Besitz gebracht und will sich von nichts und niemandem aufhalten lassen, das Kind zu finden, um die Zukunft für immer zu verändern.

So werden sowohl der ältere als auch der jüngere Joe nicht nur zu Jägern ihrer selbst, sondern auch zu Gejagten. Während der ältere Joe seinem Looper entkommt und von Abes Killern gesucht wird, versucht er mit aller Macht, den jungen Regemacher ausfindig zu machen.

Und sein jüngeres Ich, hinter dem natürlich ebenfalls seine ehemaligen Kollegen her sind, findet Unterschlupf auf einer entlegenen Farm am Rande der Stadt. Dort lebt die allein erziehende Sara (Emily Blunt) mit ihrem Sohn, die dem Fremden in ihrem Schuppen zunächst mit großem Argwohn begegnet. Allmählich allerdings finden sie und vor allem der kleine Cid Zutrauen zu Joe.

Doch dieser weiß, dass ausgerechnet Saras Farm auf einer der besagten Koordinaten liegt. Dass es früher oder später zu einem tödlichen Showdown kommen wird, der das Schicksal der gesamten Welt verändern wird, scheint unausweichlich...

Im Zentrum des SF-Films „LOOPER“ stehen die so genannten  Looper, einfache Auftragskiller und Handlanger, die lediglich dazu dienen, die Opfer der Verbrechersyndikate der Zukunft aus dem Weg zu räumen. Die Waffe der Looper ist die so genannte Espignole, auch bekannt als Blunderbuss oder Donnerbüchse.

„Sie ist wie geschaffen für das, was ein Looper macht, nämlich einen an allen Vieren Gefesselten zu erschießen, der gerade mal drei Meter entfernt sitzt. Diese Waffe hat keine Reichweite oder besondere Präzision. Was weit entfernt ist, trifft man damit nicht. Aber man kann eben auch kaum verfehlen, was genau vor einem ist.

Im Grunde ist sie nur ein Metallrohr, das ein paar Schüsse abfeuern kann. Aber wenn du jemand töten musst, der gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf vor dir sitzt, ist sie dafür ohne Frage die richtige Waffe.“ (1)

Das genaue Gegenteil von den Loopern sind die wesentlich besser ausgebildeten Gat Men. Die sind Hochleistungsmörder mit High-Tech-Waffen. Die Gat Men sind die Truppen der Mafia in der Filmgegenwart der 2040er Jahre. Während die Looper eher kleine Räder im Getriebe sind, kontrollieren die Gat Men die Stadt.

Ein Auftragskiller namens Joe (Joseph Gordon-Levitt) muss in dem SF-Thriller LOOPER feststellen, dass sein nächstes Opfer niemand anderes als sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) ist. Für den jüngeren Joe beginnt der Ärger, als er seinen Loop laufen lässt.  

Der von BRUCE WILLIS Willis gespielte ältere Joe wird angetrieben von dem Wissen, wie schlimm die Missstände in der Zukunft sind. Während sich die Welt in den 2040er Jahren nur ein wenig in Schieflage befindet und vor allem abgewirtschaftet erscheint, steht die Gesellschaft der 2070er Jahre unter dem Eindruck eines Machtwechsels in der Welt des organisierten Verbrechens.

„Ein Kerl, der sich der Regenmacher nennt, hat alles unter seiner Kontrolle. Er führt eine Terrorherrschaft und orchestriert immer wieder Massenerschießungen. Doch meine Figur weiß, wo dieser Regenmacher zu Zeiten des jungen Joe gelebt hat. Also reise ich zurück in die Vergangenheit und mache es mir zur Aufgabe, ihn aufzuspüren und damit die Zukunft zu verändern. Doch natürlich ist das sehr viel leichter gesagt als getan.“ (2)

Dass im Mittelpunkt von LOOPER eine jüngere und eine ältere Version der gleichen Figur stehen, stellte für die Filmemacher eine interessante Herausforderung dar. Statt zwei Schauspieler zu suchen, die sich von Natur aus ähnlich sehen, entschieden sich die Macher des Films lieber dazu, es darauf ankommen zu lassen und für die beiden Rollen die beiden bestmöglichen Schauspieler zu nehmen.

„Den Part des jungen Joe hatte ich eigens für Joseph Gordon-Levitt geschrieben, der nicht nur mein Lieblingsschauspieler, sondern auch ein guter Freund von mir ist. Wir wollten nach BRICK („Brick“, 2005) unbedingt wieder zusammen arbeiten. Als sich dann die Möglichkeit ergab, dass Bruce Willis den älteren Joe spielen könnte, war ich begeistert.

Er ist ein verdammt guter Schauspieler und aus den verschiedensten Gründen genau der richtige für die Rolle. Aber natürlich ergab sich daraus ein Problem, denn die beiden sehen sich kein bisschen ähnlich. Dafür mussten wir eine Lösung finden. Und zwar auf zweierlei Wegen.

Zunächst einmal kam es natürlich auf das Make-up an. Joseph musste jeden Morgen fast drei Stunden lang in der Maske sitzen, damit Make-up und Prothesen aufgetragen werden konnten, die seine Nase und seine Lippen veränderten. Selbstverständlich konnten wir ihn nicht wirklich in den jungen Bruce Willis verwandeln. Deswegen entschieden wir uns für einige markante Gesichtszüge, die wir so veränderten, dass sie dem Publikum zumindest als optischer Leitfaden dienen konnten.

Zum anderen – oder genauer gesagt zu 90 % – ging es natürlich um Joes Spiel. Es war unglaublich mitanzusehen. Er lieferte keine Imitation von Bruce ab, sondern schuf vielmehr eine Figur, die der junge Bruce zu sein schien. Er übernahm eine Menge von Bruces Manierismen und legte sich eine ganz spezielle Stimme zu. Das ist Schauspielkunst der Spitzenklasse und auf der Leinwand wirklich ein Erlebnis.“ (3)

EMILY BLUNT spielt Sara, eine junge Mutter, die außerhalb der Stadt in einem entlegenen Farmhaus lebt. Ihr kommt eine Schlüsselrolle in der Geschichte zu, als der junge Joe auf der Flucht vor der Mafia auf ihrem Grundstück Unterschlupf sucht. 

Wobei sie selbst selbstverständlich nicht weiß, dass es auch in ihren Händen liegt, wie sich die Zukunft entwickeln wird.

Denn Sara hat ein Talent, das in der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen wird, auch wenn sie in der Gegenwart des Films kaum mehr als ein Taschenspielertrick zu sein scheint.

„Sie ist ein so genannter TK. Das heißt, dass sie telekinetische Fähigkeiten hat. Es gibt mehrere Menschen, die können, was sie kann. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Sie selbst ist diesbezüglich stärker als viele, aber längst nicht so mächtig wie andere Figuren im Film.“ (4)

Für den Look des Films wandte sich Johnson vertrauensvoll an den Kameramann Steve Yedlin und den Produktionsdesigner Ed Verreaux. LOOPER spielt in der nahen Zukunft, was dem Regisseur die Möglichkeit zu einer Gradwanderung zwischen Science Fiction und der Realität gab.

„Wir wollten weder eine vollkommen zerstörte noch eine wunderbar strahlende Zukunft. Dies ist eine Zukunft, in der die Dinge nicht so rosig verlaufen sind. Die Wirtschaft ging den Bach runter, die großen Fabriken sind alle geschlossen. Deswegen sind die Autos in unserem Film auch 30 Jahre alt. Es gibt ein paar neue Spezialwagen für die Superreichen, aber alle anderen fahren seit vielen Jahren die gleichen Autos.“ (5)

Für das Design der Zeitmaschine selbst ließen sich Johnson und Verreaux von den Geschichtsbüchern inspirieren.

„Wir entschieden uns für ein schlichtes, altmodisches und eher hemdsärmeliges Design. Es ging ja in erster Linie darum zu vermitteln, dass diese Maschine funktioniert. Darüber hinaus sollte man sich lieber auf die eigentliche Geschichte des Films konzentrieren.“ (6)

Der Großteil des Films wurde in New Orleans gedreht, doch für zwei Wochen schlug das Team auch in China seine Zelte auf. Die Produktionsfirma Endgame Entertainment ging für LOOPER mit dem chinesischen Verleiher DMG Entertainment eine Partnerschaft ein. Angesichts des immer größer werdenden Marktes in China sahen sie eine Möglichkeit, an dieser Entwicklung aktiv beteiligt zu sein. Und so präsentiert der Film nun eine futuristische Version des Landes.

„Als ich das Drehbuch schrieb, spielte diese Sequenz eigentlich in Paris. Das wollten wir in New Orleans nachstellen, was zwar nicht optimal, aber mit ein paar Filmtricks nicht unmöglich gewesen wäre. Aber dann machte uns unser chinesischer Verleiher den Vorschlag, doch ein paar Szenen in Shanghai zu drehen. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn machte das auch für die Geschichte.

Zwar romantisiert Joe Paris, aber in der Zukunft würde ein junger Mann sicher viel eher nach China gehen. Ganz zu schweigen davon, dass auch wir von dieser Änderung profitierten. Statt Paris zu imitieren bekamen wir das echte Shanghai. Da fiel die Entscheidung leicht.“  (7)

Mit “LOOPER” präsentiert der Regisseur RIAN JOHSON „Star Wars – Die letzten Jedi“, „Knives Out – Mord ist Familiensache“ einen atmosphärisch dicht inszenierten SF-Film, der zum Nachdenken anregt, der zudem mit seiner guten Besetzung punkten kann. 

© by Ingo Löchel

  • (1)    Regisseur Rian Johnson
  • (2)    Bruce Willis
  • (3)    Regisseur Rian Johnson
  • (4)    Emily Blunt
  • (5)    Produktionsdesigner  Ed Verreaux
  • (6)    Produktionsdesigner  Ed Verreaux
  • (7)    Regisseur Rian Johnson


Looper
(Originaltitel: Looper)
USA/China 2012

Stab

  • Regie: Rian Johnson
  • Drehbuch: Rian Johnson
  • Kamera: Steve Yedlin
  • Schnitt: Bob Ducsay
  • Musik: Nathan Johnson

Darsteller

  • Joseph Gordon-Levitt als Joseph Simmons
  • Bruce Willis als Joseph Simmons (alt)
  • Emily Blunt als Sara
  • Jeff Daniels als Abe
  • Paul Dano als Seth
  • Noah Segan als Kid Blue
  • Piper Perabo als Suzie
  • Pierce Gagnon als Cid
  • Tracie Thoms als Beatrix
  • Frank Brennan als Seth (alt)
  • Garret Dillahunt als Jesse

FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 114 Minuten

Kinostart: Am 3. Oktober 2012

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