Freitag, 22. Juli 2022

Einbrecher-Film: Bank Job (2008)

Terry Leather (Jason Statham) schlägt sich 1971 im East End von London als Gebrauchtwagenhändler mal mehr, mal weniger erfolgreich durchs Leben. 

Immerhin kann er sich mit dem Mechaniker Eddie (Michael Jibson) nd dessen Verlobter Ingrid (Georgia Talor), die als Sekretärin für ihn arbeitet, zwei Angestellte leisten.

Aktuell zeigt die Kurve allerdings gerade wieder steil nach unten. Er steht bei einer illustren Figur der Unterwelt in der Kreide, der mit Nachdruck auf seine Bezahlung drängt. Terry steckt in der Klemme. Einen Ausweg aus seiner prekären Situation weiß der findige Lebenskünstler nämlich nicht.

Es trifft sich gut, dass in diesem Moment Martine Love (Saffron Burrows) wieder in sein Leben tritt. Terry und das ehemalige Model haben eine gemeinsame Vergangenheit, ohne dass jemand genau weiß, was damals zwischen ihnen vorgefallen ist.

Fest steht allerdings, dass Terry sich für seine jetzige Frau Wendy (Keeley Hawes) entschieden hat, mit der er zwei Kinder hat, und Martine ihrer Wege ging. Jetzt ist sie wieder da, und auch die Chemie zwischen den Beiden stimmt immer noch.

Vor allem aber sind es seine akuten Geldnöte, die Terry ein verlockendes Angebot von Martine ernsthaft überdenken lassen: Sie behauptet, von dem perfekten Bankeinbruch zu wissen – in der Lloyds Bank in der Baker Street, in deren Schließfächern Geld und Juwelen im Wert von mehreren Millionen darauf warten, einfach abgeholt zu werden….

An einem unscheinbaren Tag im September 1971 schnappte der Amateurfunker Robert Rowland ein Gespräch zwischen Männern auf, die wie ein Team von Bankräubern klangen. Er begann, die Konversationen aufzunehmen, während er der Polizei seinen Verdacht mitteilte.

Um zwei Uhr morgens beschloss ein leitender Beamter, den Bericht ernst zu nehmen und bestellte zur Funkaufspürung ausgerüstete Wagen, die die Herkunft der Gespräche ermitteln sollten. Als man dafür zuständige Postbeamte aus ihrem wohlverdienten Wochenende zusammengetrommelt hatte, war es bereits zu spät: Die Walkie-Talkie-Gespräche waren verstummt.

Dennoch wurde die Suche intensiviert. Polizeibeamte kontrollierten 750 Banken im Londoner Stadtgebiet. Vor allem die 150 Banken innerhalb eines Radius von einer Meile rund um die Wimpole Street wurden in Anschein genommen. Am Sonntagnachmittag statteten sie auch der Lloyd’s Bank an der Ecke Baker Street und Marylebone Road einen Besuch ab. Sie konnten aber keinen Hinweis auf ein gewaltsames Eindringen entdecken.

Die fast 35 Zentimeter dicken Türen des Tresorraums waren intakt und von einem Zeitschloss gesichert. Die Beamten konnten nicht wissen, dass sich die Einbrecher in

diesem Moment noch in dem Tresorraum befanden. Erst als die Bank ihre Türen am Montag wieder öffnete, wurde der Einbruch entdeckt. Der Inhalt einer Unmenge von Schließfächern war ausgeräumt worden. Es war der größte Bankraub in der Geschichte des Landes.

Die Gang hatte einen 13 Meter langen Tunnel vom Keller von Le Sac, einem von der Bande angemieteten Laden für Lederwaren, gegraben – zwei Eingänge von der Bank entfernt. Die Gangster buddelten sich unter dem benachbarten Chicken-Inn-Restaurant durch und setzten dann einen Brennschneider ein, um sich den Weg durch den ein Meter dicken Betonboden zu brennen.

Der Boden war nicht an die Alarmanlage angeschlossen, weil man beim Bau davon ausgegangen war, dass er undurchdringbar sei. Acht Tonnen Geröll wurden bei dem Einbruch beiseite geschafft und hinter dem Laden abgeladen – wo man bei der Flucht auch den überflüssigen Inhalt von 268 aufgebrochenen Schließfachboxen liegen ließ.

Doch viele Fragen blieben nach dem Bankraub offen. Nur vier Männer wurden im Zusammenhang mit dem Verbrechen verurteilt, ein Großteil der Beute wurde nie sichergestellt. Das meiste Diebesgut, das die Polizei finden konnte, wurde nicht zurückgefordert.

Zudem wurde aufgrund der damals angeblich erlassenen D-Notice (kurz für Defence Notice – ein Mittel der Selbstzensur in Großbritannien, mit dem dafür gesorgt wird, dass gewisse Informationen nicht durch die Medien an die Öffentlichkeit kommen) nur vier Tage lang über dem Einbruch berichtet. Danach wurde der Bankraub in den Medien nicht mehr erwähnt, abgesehen von einigen Randnotizen über die Anklageerhebungen.

Für „BANK JOB“-Produzent Steven Chasman bedeutete die Recherche der Geschichte, dass er tief in die wahren Hintergründe des Verbrechens eintauchen musste.

„Wenn man normalerweise an Männer denkt, die eine Bank ausrauben, dann sind das Kriminelle, aber in diesem Fall... Ich würde nicht so weit gehen und sie als Heilige bezeichnen, aber diese Jungs hatten eigentlich nicht vor, eine Bank leerzuräumen und sie haben auch keine Gewalt angewandt – das sagen wir auch im Film. Wir haben lange und intensive Nachforschungen angestellt – der Film kam viele Jahre nicht aus dem Entwicklungsstadium heraus. 

Bis wir unsere Nase in die Sache steckten, gab es niemanden, der die Leute, die wirklich in den Einbruch involviert waren, aufstöbern konnte. Sie waren einfach nicht zu finden. Der Hälfte von ihnen hatte man neue Identitäten verpasst, sie waren abgetaucht. Die andere Hälfte, so ließen uns unsere Quellen wissen, hatten das Zeitliche gesegnet.“

„Schließlich habe ich ein paar der Überlebenden aufgetrieben. Wir sprachen mit ihnen und ließen ihre Informationen so authentisch wie möglich in unser Drehbuch einfließen. Einer der damals beteiligten Herren – ein echt netter Kerl, der sich mittlerweile in seinen Siebzigern befindet – erzählte mir, dass sie sich mit der Polizei recht gut verstanden haben, weil es sich nicht um ein gewalttätiges Verbrechen gehandelt hatte. Sie hatten keine Waffen verwendet, niemand war zusammengeschlagen worden. Und damals gab es in der Tat so manche Kontroverse über Polizeikorruption.“ (1)

Als Roger Donaldson das Drehbuch zu „BANK JOB“ von Charles Roven  zugeschickt bekam, gefiel ihm sofort die Idee, endlich wieder einen Film in England drehen zu können, seinen ersten seit „DIE BOUNTY“ (1984).

„Einer der tollen Sachen beim Dreh in England ist die großartige Menge an wirklich guten und talentierten Schauspielern. Der Besetzungsprozess ist ein reines Vergnügen. Für mich geht es in dem Film darum, wer mit dabei ist. Die fantastische technische Expertise der Crews darf man nicht vergessen. Ich würde sagen, das war eine der besten Crews, mit der ich jemals gearbeitet habe.“ (2)

Szenenbildner Gavin Bocquet war mehr als bereit, sich der Herausforderung zu stellen in London geeignete Drehorte zu finden, die sich in den letzten Jahrzehnten so wenig verändert hatten, dass sie sich für die Dreharbeiten zu „BANK JOB“ eigneten.

„Wir mussten 60 bis 70 passende Drehorte finden und hatten nicht allzu viel Geld zur Verfügung. Man muss an einem Strang ziehen, meine Abteilung, der Regisseur, der Kameramann, in unserem Fall Michael Coulter, um herauszufinden und abschätzen zu können, was genau sich an den einzelnen Drehorten drehen ließ.“ (3)

Die Produktion legte im Verlauf ihres zehnwöchigen Drehs eine gewaltige Strecke zurück. Die Drehorte reichen von luxuriösen Wohnungen in Bayswater hin zu Werkstätten im East End, von halbseidenen Pubs und Clubs hin zu illustren Holz vertäfelten Büros, von den Royal Courts of Justice hin zum Historic Naval Dockyard in Chatham.

Die Szenen in der Londoner U-Bahn wurden in der stillgelegten Haltestelle in Aldwych gedreht, und an zwei denkwürdigen Tagen belegte die Produktion die Platform One in der betriebsamen Paddington Station in London, inklusive einer echten Lokomotive mitsamt Wagons aus dem Jahr 1971 – das erste Mal in der Geschichte, dass eine Filmproduktion einen eigenen Zug zum Dreh in dem Bahnhof mitgebracht hatte.

Die Hauptrolle im Film übernahm der britische Schauspieler JASON STATHAM, der die die Rolle in „BANK JOB“ spielen wollte, weil sie es ihm erlaubte, all seine Qualitäten auszuspielen. Er kann im Film den harten Kerl rauskehren, wo es nötig ist. Er darf clever sein, wenn er den Bankraub ausarbeitet. Er darf den Jungen aus der Nachbarschaft spielen.

Er darf aber auch seine romantische Ader zeigen, da kommt ihm das Dreieck zwischen ihm, seiner alten Flamme Martine und seiner Frau und Familie entgegen. Er gibt zahlreiche Konflikte und emotionale Situationen, die er meistern muss. Dabei konnte er seine beachtlich große Bandbreite als Schauspieler unter Beweis stellen.

„Ich halte Jason für einen ungemein charismatischen Schauspieler, das hat er bereits in einer ganzen Reihe unterschiedlichster Filme bewiesen. Es ist immer schwierig, genau zu definieren, was einen Star ausmacht. Bei Jason ist es eindeutig sein Charisma.

Ich sehe ihn als die britische Antwort auf Steve McQueen – er hat etwas Grüblerisches an sich, das ich ganz wunderbar finde. Er stellt mit wenig sehr viel an. Er hat eine gute Stimme. Zusammengenommen macht ihn das zu dem einzigartigen Schauspieler, der er ist. Man kann ihn mit keinem Anderen auf der Leinwand vergleichen.“ (4)

Der offensichtliche Bösewicht der Geschichte ist Lew Vogel, gespielt von David Suchet, ein renommierter Charakterschauspieler und internationaler Fernsehstar dank seiner Darstellung des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot, den er seit 1989 mehr als 60 mal gespielt hat.

„Vogel ist eine sehr unangenehme, zwielichtige Type, ein typischer Junge aus dem Londoner East End, der im Rotlichtmilieu groß geworden ist und beschloss, Geld auf Kosten der damals nach London strömenden Immigranten zu machen und gleichzeitig die Geschicke der Porno-Industrie in Soho zu lenken. Ein nicht im geringsten netter Mann. Die Zeiten der Londoner Mafia in den Dreißiger- und Vierzigerjahren sind noch nicht so lang vorbei, er ist gewissermaßen ein Auswuchs dieser Ära, ein sehr gefährlicher Mann.“ (5)

Für den Film „BANK JOB“ wurde viel Aufwand für die Recherchen des Looks der damaligen Zeit betrieben wurde. Neben ihrer Abteilung waren auch die Haar- und Makeup-Abteilung und das Art-Department involviert.

„Uns lagen Filmaufnahmen der damaligen BBCNachrichten vom tatsächlichen Bankeinbruch vor, was sehr interessant war – ein blutjunger John Humphrys, der von außerhalb der Lloyds Bank berichtete. Man konnte an der Kleidung der Menschen

sehen, dass das, was man gemeinhin mit den 70er Jahre Heist-Movies in Verbindung bringt, tatsächlich nicht viel mit den Seventies zu tun hat. Die ganz normalen Menschen sehen so aus, als würden sie immer noch ein bisschen in den Sechzigern feststecken. Das behielt ich als Maßgabe bei der Arbeit an den Kostümen immer im Hinterkopf. Jeder einzelnen Figur ordnete ich eine berühmte Persönlichkeit der Ära als Referenzpunkt für ihren Look zu.“ (6)

Mit „BANK JOB“ präsentiert der Regisseur ROGER DONALDSON einen packenden Thriller und fesselnden Einbrecherfilm, indem er einen realen Raub aus den 1970er Jahren als Vorlage nimmt, wobei der Fokus des Films nicht nur auf den Bankeinbruch und dessen Planung, sondern auch auf dessen Begleitumstände liegt. 

© by Ingo Löchel

  • (1)    Steven Chasman
  • (2)    Regisseur Roger Donaldson
  • (3)    Szenenbildner Gavin Bocquet
  • (4)    Regisseur Roger Donaldson
  • (5)    David Suchet
  • (6)    Kostümdesignerin Odile Dicks-Mireaux


Bank Job
(Originaltitel: The Bank Job)
England, USA, Australien 2008

Stab

  • Regie: Roger Donaldson
  • Drehbuch: Dick Clement und Ian La Frenais
  • Kamera: Michael Coulter
  • Schnitt: John Gilbert
  • Musik: J. Peter Robinson

Darsteller

  • Jason Statham als Terry Leather
  • Saffron Burrows als Martine Love
  • David Suchet als Lew Vogel
  • Stephen Campbell Moore als Kevin Swain
  • Daniel Mays als Dave Shilling
  • James Faulkner als Guy Singer
  • Alki David als Bambas
  • Michael Jibson als Eddie Burton
  • Georgia Taylor als Ingrid Burton
  • Richard Lintern als Tim Everett
  • Peter Bowles als Miles Urquhart
  • Alistair Petrie als Philip Lisle
  • Hattie Morahan als Gale Benson
  • Julian Lewis Jones als Snow
  • Andrew Brooke als Quinn
  • Peter de Jersey als Michael X
  • Rupert Frazer als Lord Drysdale

FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 102 Minuten

Deutscher Kinostart: Am 19. Juni 2008
 

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